Für die Fertigung komplexer Kunststoffhohlkörper für Nieder- und Hochdruckanwendungen bietet sich das Blasformverfahren an. Im weltweiten Produktionsverbund von MANN+HUMMEL hat es darum einen festen Platz.

Roh- und Reinluftleitungen, Resonatoren sowie Ladeluftleitungen für die kalte und heiße Seite der Ladeluftstrecke haben eines gemeinsam: Sie müssen immer höhere Anforderungen an Temperatur, Über- oder Unterdruck sowie Bewegungsausgleich erfüllen. Dabei sollen sie aber möglichst kompakt und kostenoptimiert herzustellen sein. Denn der verfügbare Platz im Motorraum ist hart umkämpft und kostengünstige Produkte sind ein Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit. Um eine optimale Luftführung zu erreichen, müssen die Hohlteile häufig entsprechend komplex gestaltet werden. Für die Herstellung ist das Blasformen deshalb ein sehr gut geeignetes Produktionsverfahren. Selbst komplizierte Geometrien und dreidimensionale Leitungsverläufe lassen sich damit effizient fertigen.

Ein Verfahren, vier Hauptvarianten

Im weltweiten Produktionsnetzwerk von MANN+HUMMEL hat das Verfahren neben dem Kunststoff-Spritzguss darum einen festen Platz – und das in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Die Blasformtechnologie teilt sich in konventionelles Blasformen, auch 2D-Blasformen genannt, 3D-Manipulations-Blasformen, 3D-Saugblasformen und 3D-Excell-Blasformen auf. Zusätzlich kann für besondere Anwendungen die sogenannte Co-Extrusion eingesetzt werden, um zwei Materialien, zum Beispiel eine harte und eine weiche Komponente, zu verarbeiten. Alle diese Verfahren sind bei MANN+HUMMEL im Einsatz. Dadurch stellt der Kunststoffspezialist sicher, dass die technologischen Voraussetzungen für globale Projekte und qualitativ hochwertige Produkte jederzeit und überall verfügbar sind. Abhängig vom Produktionsvolumen, dem technischen Design und vielen weiteren Faktoren stehen so für jedes Produkt weltweit die passenden Fertigungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Blasformteile für Asien

Das gilt nun auch für den Standort in Shanghai. Mit der Produktion von Blasformteilen für den asiatischen Markt hat MANN+HUMMEL hier sein internationales Produktionsnetzwerk ergänzt. In Shanghai startete kürzlich die Serienproduktion von drei verschiedenen Reinluftleitungen. Bisher wurden die Bauteile aus MANN+HUMMEL Werken in Deutschland, Spanien und Frankreich geliefert – nun erfolgt die Fertigung lokal vor Ort. Die Basis für die erfolgreiche Implementierung der Blasformtechnik in Shanghai legte das Blow Molding-Lead-Team. Das Expertenteam treibt mit definierten Standards sowie strukturierter Wissensvermittlung in Form von Trainings die Blasformtechnologie bei MANN+HUMMEL weltweit voran. Außerdem unterstützen die Experten die Entwicklung von Teilen, Projekten und Abläufen vor Ort und untersuchen neue Lösungen für zukünftige Applikationen und Technologien.

Produktbeispiele

2D-Blasformen

Beim konventionellen Blasformen wird ein formbarer Schlauch ausgestoßen. Dieser wird von allen Seiten durch die beiden Werkzeughälften überquetscht und der entstehende Hohlraum mit Luft aufgeblasen. Der Schlauch legt sich dadurch an die Werkzeugkontur an und ein funktionaler Hohlkörper entsteht. Umlaufende überquetschte Bereiche müssen in einem zusätzlichen Arbeitsschritt entfernt werden.

3D-Saugblasformen

Beim Saugblasformen wird dem Rohschlauch seine dreidimensionale Form dadurch gegeben, dass der Rohschlauch mit Unterdruck durch das geschlossene Werkzeug gesaugt wird. Ein Luftkissen umhüllt dabei den Schlauch und verhindert ein Ankleben an der Werkzeugwand.

3D-Manipulations-Blasformen

Speziell für Leitungen und Rohre wurde das verlustarme 3D-Blasformen entwickelt. Hierbei werden nur noch Anfang und Ende des Schlauches überquetscht. Somit wird Material gespart und Überquetschungen in Faltenbalgbereichen vermieden, was deren maximale Flexibilität ermöglicht. Um dem Schlauch seine dreidimensionale Form zu geben, schließen sich zum Beispiel einzelne Abschnitte des Werkzeugs sequenziell um den verformbaren Schlauch (Werkzeugmanipulation) und/oder ein verfahrbarer Roboterarm legt den Schlauch im Werkzeug gezielt ab (Robotermanipulation).

3D-Excell-Blasformen

Die Besonderheit des Excell-Blasformverfahrens ist die horizontale Werkzeugtrennebene. Bei allen anderen Verfahren verläuft diese vertikal. Der Rohschlauch wird in der unteren Werkzeughälfte abgelegt, bevor die obere Werkzeughälfte schließt und der Schlauch aufgeblasen wird, um das funktionale Bauteil zu formen. Dieser Prozess erlaubt größere Variationen der einzelnen Schlauchabschnitte. Das Umblasen von Einlegeteilen bietet sich in diesem halbautomatischen Prozess an.