Das Warten auf gesetzliche Regelungen hält Prof. Dr. Achim Kampker, CEO der StreetScooter GmbH, beim Thema Feinstaub für keine Lösung. Eigeninitiative dagegen schon. Seit Ende 2017 testet das Unternehmen der Deutschen Post daher von MANN+HUMMEL speziell entwickelte Feinstaubpartikelfilter an ihren Elektro-Lieferwagen.

Die Europäische Union macht in Sachen Feinstaub Druck: Schnelle Lösungen sind gefragt, aber nicht einfach zu erbringen. Denn selbst wenn mittelfristig eine großflächige Elektrifizierung von Antrieben gelänge, ließe sich das Problem der Feinstaubbelastung nicht komplett aus der Welt schaffen. Auch mit Strom angetriebene Fahrzeuge erzeugen durch Reifen-, Bremsen- und Straßenabrieb Feinstaub. Zeit Eigeninitiative zu zeigen, sagten sich die Verantwortlichen der DHL-Tochter StreetScooter und starteten eine Partnerschaft mit MANN+HUMMEL, um die Feinstaubbilanz Ihrer Fahrzeuge zu verbessern.

Sauber geliefert

Im Dezember 2017 stattete MANN+HUMMEL für einen Feldversuch fünf rein batterieelektrisch betriebene StreetScooter mit einem eigens entwickelten Feinstaubpartikelfilter aus. Er ist jeweils am Unterboden auf Höhe der Hinterachse verbaut und fängt so Emissionen des Fahrzeugs direkt auf, ohne dass wertvoller Laderaum verloren geht.

Der Filter ist mit einem aktiven Ansaugsystem ausgestattet. Zwei Ventilatoren führen dem Feinstaubpartikelfilter auch dann Umgebungsluft zu, wenn das Fahrzeug steht. Die Quelle des Feinstaubs spielt keine Rolle: Schadstoffe von privaten Heizungen und anderen Fahrzeugen werden ebenso gefiltert, wie Feinstaub aus industrieller und ländlicher Herkunft. Bis zu 80 Prozent der sogenannten PM10 Staubpartikel, also solche bis zehn Mikrometer Größe, lassen sich mit dem Feinstaubpartikelfilter aus der Luft entfernen. Bei einem Strombedarf von gerade einmal 300 Watt wirkt sich dieser dabei nicht negativ auf die Reichweite des Elektrotransporters aus. Im Bedarfsfall könnten Solarzellen auf dem Dach des Lieferwagens auch genügend Energie liefern.

Erst der Anfang

Die fünf StreetScooter-Versuchsfahrzeuge sind für den CEO des Unternehmens, Prof. Dr. Achim Kampker, erst der Anfang: „Derzeit sind mehr als 5.000 Elektro-Lieferfahrzeuge Work und Work L im Einsatz, mit denen wir schon jetzt erhebliche Mengen an CO2 und Stickoxiden (NOX) vermeiden. Im laufenden Jahr 2018 planen wir die Produktion deutlich höherer Stückzahlen. Sollte der Feldversuch erfolgreich sein, denken wir über eine Intensivierung der Partnerschaft nach.“

Um die Effizienz des Filters jederzeit überprüfen zu können, sind alle MANN+HUMMEL Feinstaubpartikelfilter mit Sensoren ausgerüstet, die ein Online-Monitoring ermöglichen. Sie erfassen Informationen über die Filtrationsleistung, die gereinigte Luftmenge, die Feinstaubkonzentration sowie Wetterdaten. Die Entwicklung lässt sich übrigens nicht nur für die elektrisch angetriebenen StreetScooter nutzen. Durch seine freie Skalierbarkeit ist der Feinstaubpartikelfilter auch für benzin- und dieselmotorisierte Pkw und Nutzfahrzeuge geeignet und kann sie so von Feinstauberzeugern zu „Feinstaubfressern“ umfunktionieren.

Aufbau und Funktionsprinzip des MANN+HUMMEL Unterboden-Feinstaubpartikelfilters

Lüfter

Filterelement

Filtergehäuse

Abdeckung mit Laub- und Schneefang