Mikroplastik und multiresistente Keime

Die unsichtbare Gefahr

Mikroschadstoffe, multiresistente Keime und Mikroplastik im gereinigten Abwasser sind eine Gefahr für Mensch und Umwelt. MANN+HUMMEL und seine Tochtergesellschaft MICRODYN-NADIR begegnen dieser Herausforderung mit moderner Membrantechnologie. Ein Pilotprojekt zeigt erste Erfolge.

"Früher dachte man, was man nicht sieht, schadet auch nicht. Heute weiß man, dass das nicht stimmt. Im Gegenteil sogar." Werner Ruppricht ist Senior Sales Director bei MICRODYN-NADIR, einer Tochtergesellschaft von MANN+HUMMEL mit Sitz in Wiesbaden. "In der Luft sind es Schadgase und Feinstaub. Im Wasser sind es Mikroschadstoffe, multiresistente Keime und Mikroplastik. Sie sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, können aber eine große Gefahr für die Umwelt und die Gesundheit des Menschen sein", erläutert er.

Überall präsent: Mikroschadstoffe und Keime

Nicht sichtbar und doch äußerst präsent: Mikroplastik-Partikel entstehen natürlich durch den Zerfall von Produkten aus Kunststoff oder werden bewusst als Inhaltstoffe von Kosmetika und Reinigungsmitteln erzeugt. Unter den Begriff Mikroschadstoffe fallen unter anderem Rückstände von Medikamenten oder Pestiziden. Hinzu kommen multiresistente Keime, die sich durch verstärkten Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht und der Medizin bilden und verbreiten. Dadurch kann ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für Menschen entstehen.

Die Grenzen herkömmlicher Abwasseraufbereitung

"Diese widerstandsfähigen Keime, Mikroschadstoffe und Mikropartikel gelangen über den Wasserkreislauf ins Abwasser, das in Kläranlagen aufbereitet wird. Herkömmliche Verfahren zur Abwasseraufbereitung können diese Schadstoffe jedoch nicht effizient abtrennen. Darüber hinaus bilden Kläranlagen die ideale Quelle zur Vermehrung und Verbreitung von multiresistenten Keimen", erläutert Ruppricht.

Aktuell setzen Kläranlagenbetreiber zur Abtrennung von Mikroschadstoffen meist Verfahren aus einer Kombination aus Aktivkohle mit nachgelagertem Sandfilter ein. Die Aktivkohle und der Sandfilter reduzieren Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände und Mikroplastik. Für multiresistente Keime sind sie jedoch keine Barriere. Zudem kann der Sandfilter die Aktivkohle nicht vollständig abtrennen, wodurch sie teilweise in die Umwelt gelangen und diese belasten kann. Ziel der Entwicklung von MICRODYN-NADIR ist es, diese Einschränkung des Verfahrens zu beseitigen.

Pilotversuch mit Ultrafiltrationsmembranen

Seit einiger Zeit testet MICRODYN-NADIR in einem Pilotversuch in der kommunalen Kläranlage in Hünxe (Nordrhein-Westfalen) ein neues Verfahren aus einer Kombination von Aktivkohle und getauchter Membranfiltration. Mit positiven Ergebnissen: Durch die Kombination von Aktivkohle mit der Membranstufe können Spurenstoffe, Mikroplastik und Aktivkohle aus dem gereinigten Abwasser zurückgehalten werden. Durch die Verwendung von Ultrafiltrationsmembranen, die eine Porengröße eines Tausendstels eines Haardurchmessers besitzt, können die Forscher zudem Keime abtrennen. "Die Kombination ist eine sehr effiziente und kostengünstige Alternative zu den herkömmlichen Verfahren und zeichnet sich durch seine deutlich besseren Abtrennleistungen aus", erläutert Ruppricht. "Die Erprobungsphase zeigt bereits jetzt, dass unser Verfahren die hohen Anforderungen an Abwasseraufbereitung erfüllt und insbesondere in der Abtrennung von multiresistenten Keimen neue Maßstäbe setzt. Dadurch können wir einen wertvollen Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt leisten."