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Chancen- und Risiken: Verantwortungsvoll navigieren in einem volatilen Umfeld

Risiken zu kennen ist die Voraussetzung dafür, sie zu steuern. Chancen zu erkennen ist die Voraussetzung dafür, sie zu nutzen. MANN+HUMMEL betreibt beides als Führungsaufgabe – systematisch, transparent und eng verknüpft mit der gesamten Unternehmenssteuerung.

​​Dieser Text gibt einen Überblick über die wesentlichen Risiken und Chancen des Geschäftsjahres 2025. Den vollständigen Chancen- und Risikobericht finden Sie ausschließlich in unserem Annual Report 2025.

Unser Risikomanagementsystem

Das Risikomanagementsystem der MANN+HUMMEL Gruppe orientiert sich an den anerkannten Rahmenwerken COSO Enterprise Risk Management (COSO ERM) sowie der ISO 31000:2018. Die Gesamtverantwortung liegt bei der Geschäftsführung; die operative Verantwortung ist dezentral in den Geschäftsbereichen verankert.

Im Geschäftsjahr 2025 wurde die Governance-Struktur des Risikomanagements wesentlich weiterentwickelt: Das Risikomanagement ist nun in die neu ​​geschaffene Organisation „Risk & Resilience" integriert, die direkt an den CEO berichtet. Diese Organisation bündelt fünf vernetzte Kernfunktionen: Konzernrisikomanagement, Informationssicherheit, Datenschutz, Business Continuity Management und Krisenmanagement. Damit reagiert MANN+HUMMEL gezielt auf eine gestiegene Marktvolatilität und eine zunehmend komplexe Bedrohungslage.

Risiken werden konzernweit in einem strukturierten, digital unterstützten Prozess identifiziert, bewertet und gesteuert – dezentral durch die Geschäftsbereiche, zentral aggregiert und dem Risiko-Komitee der Geschäftsführung vorgelegt. Wesentliche Risiken und Chancen werden in fünf Hauptkategorien gegliedert: strategische, operative, finanzielle, regulatorische und Compliance-Risiken sowie IT-, Cyber- und Datenrisiken. Die Risikobewertung folgt einer einheitlichen Methodik: Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit bestimmen, ob ein Risiko dezentral gesteuert oder direkt durch die Geschäftsführung eskaliert wird. Risiken mit einer potenziellen EBIT-Auswirkung von mehr als 5 Mio. EUR fließen in das zentrale Konzern-Reporting ein.

RisikoklasseFinanzielle Auswirkung
unter Berücksichtigung
der Eintrittwahrscheinlichkeit
(EBIT)
Steuerungsrelevanz
Bestandsgefährdend> 40 Mio. EURUnverzüglicher Eingriff
durch die
Geschäftsleitung
Signifikant25 - 40 Mio. EURHohe strategische Relevanz;
engmaschiges Monitoring
Hoch15 - 25 Mio. EUROperative Management-
Eskalation erforderlich
Moderat5 - 15 Mio. EURSteuerung im Rahmen
der Standardprozesse
Gering< 5 Mio. EURDezentrale Steuerung
in den Fachbereichen

Alle weiterführenden und detaillierten Informationen zu unserem Risikomanagementsystem entnehmen Sie bitte unserem Annual Report 2025.

Risikobild 2025

Strategische und ökonomische Risiken

Die geopolitischen Spannungen – insbesondere in Osteuropa, im Nahen und Mittleren Osten sowie im Indopazifik – können Energie- und Rohstoffströme stören, Sanktionen auslösen und wichtige Handelsrouten blockieren. Zunehmende Handelsbarrieren, Subventionsregime, Exportkontrollen und Lokalisierungsanforderungen verändern Investitionsentscheidungen von Kunden sowie Beschaffungs- und Logistikstrukturen grundlegend. Hinzu kommen makroökonomische Risiken wie Wechselkursvolatilität, eine mögliche Neubewertung von Zinsniveaus und potenzielle Finanzmarktturbulenzen.

Operative Risiken

Globale Lieferketten bleiben anfällig für geopolitische Disruptionen, Naturereignisse und handelspolitische Eingriffe. Die zunehmende Abhängigkeit von einzelnen Regionen und Lieferanten erhöht das Risiko von Versorgungsengpässen. Dem begegnet MANN+HUMMEL unter anderem durch eine bewusste Regionalisierungsstrategie – etwa mit dem neuen Produktionswerk in Südafrika als strategischem Hub für den Subsahara-Markt sowie lokalen Produktionskapazitäten in den USA nach dem „Local for Local"-Prinzip.

Parallel dazu binden laufende Restrukturierungsmaßnahmen operative Ressourcen und stellen kurzfristig Risiken dar. Mittel- bis langfristig sollen sie die globale Kostenstruktur und Standortqualität nachhaltig verbessern.

Finanzielle Risiken

Als global aufgestelltes Unternehmen ist MANN+HUMMEL dauerhaft Wechselkursrisiken ausgesetzt. Im Berichtsjahr belasteten negative Währungseffekte von 154,9 Mio. EUR den Konzernumsatz spürbar. Hyperinflationseffekte in der Türkei und Argentinien belasteten das Finanzergebnis mit 4,8 Mio. EUR zusätzlich, wenngleich deutlich geringer als im Vorjahr (14,7 Mio. EUR).

Zinsentwicklungen, Liquiditätssteuerung und Steueraufwand – unter anderem durch Verlustvorträge, die nicht aktivierbar waren – sind weitere finanzielle Risikofaktoren, die das Unternehmen aktiv überwacht. Gleichzeitig stärkt der deutlich verbesserte Free Cashflow die finanzielle Handlungsfähigkeit und Risikotragfähigkeit des Konzerns.

Regulatorische und Compliance-Risiken

Die regulatorische Dichte wächst in nahezu allen relevanten Märkten – und mit ihr die Anforderungen an MANN+HUMMEL. Besonders im Fokus: die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) mit steigenden Datenanforderungen, das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) sowie die regulatorische Einschränkung von PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) in Filterprodukten.

MANN+HUMMEL hat im Berichtsjahr die ​nassgelegten Filtermedien der Luftfiltration nahezu vollständig auf Materialien ohne bewusst zugesetzte PFAS umgestellt – ein wichtiger Schritt zur proaktiven Compliance und gleichzeitig ein Wettbewerbsvorteil in einem zunehmend regulierten Umfeld.

IT-, Cyber- und Datenrisiken

Cyberangriffe zählen zu den am schnellsten wachsenden Risikofeldern. MANN+HUMMEL hat 2025 die Cyberresilienz durch die Einführung von Conditional-Access-Mechanismen weiter gestärkt und arbeitet zur finanziellen Absicherung potenzieller Schäden eng mit dem Versicherungsmarkt zusammen. Im Rahmen der EU-Richtlinie NIS2 wurden externe Sicherheitsbewertungen von Lieferanten in Pilotprojekten erfolgreich umgesetzt.

Ein zentraler Meilenstein war das erfolgreiche Go-live von SAP S/4HANA im Oktober 2025 – planmäßig und ohne nennenswerte Beeinträchtigungen des Tagesgeschäfts. Gleichzeitig etabliert MANN+HUMMEL ein globales Business Continuity Management System (BCMS), das nach erfolgreicher Pilotierung an den Standorten Marklkofen und Ludwigsburg nun konzernweit ausgerollt wird.

Chancenbild 2025

Technologischer Strukturwandel als Wachstumstreiber

Was kurzfristig als Risiko erscheint, ist mittel- und langfristig eine der größten Chancen für MANN+HUMMEL: Der strukturelle Wandel hin zu alternativen Antrieben, sauberer Luft und sauberem Wasser erzeugt eine neue und wachsende Nachfrage nach innovativen Filtrationslösungen. Elektromobilität, Wasserstofftechnologie und Brennstoffzellen benötigen hochentwickelte Filtrationskomponenten für das Thermomanagement, die Batteriesicherheit und Kathodenluftfilterung – Bereiche, in denen MANN+HUMMEL bereits heute Lösungen in Serie liefert.

Mehr als die Hälfte der über 100 im Berichtsjahr eingereichten Prioritätspatentanmeldungen betrifft Anwendungen jenseits der Verbrennertechnologie – ein deutliches Signal für die strategische Ausrichtung der Innovationsinvestitionen.

Neue Märkte: Luft, Wasser, Rechenzentren

Rechenzentren, Reinräume und die Halbleiterfertigung zählen zu den strukturellen Wachstumsmärkten unserer Zeit – mit einer anhaltend hohen Nachfrage nach höchsten Luftreinheitsstandards. MANN+HUMMEL Air Filtration ist in diesen Segmenten bereits aktiv positioniert und baut seine Systemlösungen für Reinraumtechnik und industrielle Luftfiltration weiter aus.

Im Wassermarkt wächst die globale Nachfrage nach Aufbereitungstechnologien – getrieben durch Wasserknappheit, regulatorische Anforderungen und Investitionen in kommunale und industrielle Infrastruktur. MANN+HUMMEL Water & Membrane Solutions ist mit seinem Membran- und Wasserfiltrations-Portfolio in diesem Wachstumsmarkt strategisch präsent.

Vertikale Integration und Digitalisierung

Mit dem neuen Geschäftsfeld Filtration Materials und der Produktionsstätte in Marklkofen stärkt MANN+HUMMEL seine Unabhängigkeit in der Materialentwicklung. Eigene Filtrationsmaterialien erhöhen die Innovationsgeschwindigkeit, reduzieren externe Abhängigkeiten und verbessern die Kosteneffizienz in der Lieferkette.

Digitalisierung und der Einsatz von KI eröffnen zusätzliche Effizienzpotenziale: von der datengestützten Kalkulation und Preisgestaltung über KI-gestützte Produktionsoptimierung bis hin zu digitalen Kundenportalen, die das Aftermarket-Geschäft effizienter und kundennäher gestalten.

Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil

Nachhaltigkeit ist bei MANN+HUMMEL keine Reaktion auf regulatorischen Druck – sie ist ein strategischer Wachstumshebel. Mit der „Naturally Better"-Initiative von MANN-FILTER und der konsequenten Entwicklung CO₂-reduzierter Filterlösungen aus nachwachsenden Rohstoffen erschließen wir neue Kundengruppen und festigen unsere Marktposition in einer zunehmend ESG-getriebenen Beschaffungslandschaft.

Zudem haben wir 2025 unsere Decarbonization Strategy weiter intensiviert – mit dem Ziel einer CO₂-neutralen Produktion bis 2035. Rund 30 % des Strombedarfs wurden im Berichtsjahr bereits aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Die Entwicklung eines konzernweiten Product Carbon Footprint (PCF) schafft Transparenz und empfiehlt uns als bevorzugter Lieferant in Branchen, in denen ESG-Ratings über Lieferantenentscheidungen mitbestimmen.

Resilienz als strategischer Vorteil

Die Compliance-Stärke im Bereich Business Continuity – dokumentiert durch den globalen BCMS-Rollout und die Erfüllung von Anforderungen wie TISAX und NIS2 – reduziert nicht nur Betriebsrisiken, sondern festigt das Vertrauen von Geschäftspartnern und bietet einen strategischen Wettbewerbsvorteil in der Lieferkette.

Gesamteinschätzung

Die Gesamtrisikostruktur der MANN+HUMMEL Gruppe ist im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil geblieben, wenngleich das globale wirtschaftliche und geopolitische Umfeld weiterhin durch hohe Volatilität geprägt ist. Wesentliche Einflussfaktoren bleiben die anhaltenden geopolitischen Spannungen – insbesondere in Osteuropa, dem Nahen Osten und dem asiatisch-pazifischen Raum –, die den Druck auf globale Lieferketten aufrechterhalten. Parallel dazu beschleunigt sich der technologische Strukturwandel im Automobilsektor, begleitet von einer signifikant gestiegenen Regulierungsdichte im Bereich der ESG-Compliance.

Zum Zeitpunkt der Berichtserstellung sind keine Risiken erkennbar, die – weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit – den Fortbestand der MANN+HUMMEL Gruppe gefährden könnten. Die Risikotragfähigkeit ist durch eine solide Eigenkapitalbasis und gesicherte Liquidität gestützt.

Besondere Aufmerksamkeit gilt im Geschäftsjahr 2026 drei Schwerpunkten:

  • Cyber- und Informationssicherheit vor dem Hintergrund fortschreitender Digitalisierungsprojekte und einer verschärften Bedrohungslage
  • Resilienz der Lieferketten gegenüber geopolitischen Disruptionen und protektionistischen Eingriffen
  • Regulatorische Compliance, insbesondere hinsichtlich der CSRD-Datenanforderungen und des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes

Das vollständige Bild zur Chancen- und Risikolage 2025 – mit allen Kategorien, Bewertungen und Steuerungsmaßnahmen – finden Sie ausschließlich in unserem Annual Report 2025. Kontaktieren Sie uns zudem gerne, wenn Sie Fragen haben oder eine Beratung wünschen.