Membranfiltration erklärt: Wie Membrantrennverfahren funktionieren und was Membranfilter leisten
Wasserknappheit, strengere Regularien und neue Schadstoffe wie PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) setzen Kommunen und Industrien weltweit unter Druck. Die Membranfiltration gehört zu den Schlüsseltechnologien, um diese Herausforderungen zu lösen. Entsprechend wächst auch der Markt für Membrantechnologien. Laut Global Water Intelligence ist die weltweite Entsalzungskapazität seit 2020 um 40 Prozent gestiegen, die Kapazität zur Wasserwiederverwendung sogar um 52 Prozent¹. Dieser Trend zeigt: Verfahren wie Umkehrosmose (Reverse Osmosis, RO) und Ultrafiltration (UF) werden für Trinkwasser, Prozesswasser und die Wasserwiederverwendung immer wichtiger.
Membranfiltration: Definition, Bedeutung, Funktion und Aufbau im Überblick
Membranfiltration bezeichnet ein Trennverfahren, bei dem eine Membran als selektive Barriere wirkt: Sie lässt bestimmte Bestandteile eines Wasser- oder Prozessstroms passieren, während sie andere zurückhält. Die Membranfunktion beruht auf der selektiven Trennung: Abhängig von ihren Eigenschaften lässt die Membranstruktur bestimmte Stoffe passieren, während sie andere zurückhält. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Begriffe teils synonym verwendet: Ein Membranverfahren oder Membranprozess bezeichnet die Anwendung membranbasierter Trenntechniken, während sich die Membrantrennung auf die selektive Trennung bezieht, die durch die Membran erzielt wird. Übergeordnet steht die Membrantechnologie als Sammelbegriff für alle Anwendungen, bei denen die Membranbehandlung zur Aufbereitung von Wasser oder Prozessflüssigkeiten eingesetzt werden. Institutionen weltweit, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO), betonen die Bedeutung einer zuverlässigen Wasseraufbereitung für die Sicherstellung der Trinkwasserqualität.²
Wichtige Membranverfahren: Umkehrosmose, Ultrafiltration und mehr
Die Membranfiltration umfasst mehrere druckgetriebene Verfahren sowie integrierte Verfahren, die sich vor allem in ihren Membraneigenschaften und dem daraus resultierenden Trenngrad unterscheiden. Jedes dieser Membranverfahren hat sein eigenes Anwendungsfeld – von der Trinkwasseraufbereitung über die industrielle Prozesswasserbehandlung bis zur Meerwasserentsalzung.
Design und Betrieb: Von Membranmodulen zu Systemen
Einzelne Membranen werden nicht isoliert betrieben, sondern in Membrananlagen bzw. Filtrationssystemen zusammengefasst: Module bündeln zahlreiche Membranelemente – etwa in Hohlfaser-, Flachfolien- oder Wickelbauweise – zu kompakten Einheiten mit definierter aktiver Filterfläche. Mehrere Module werden anschließend zu sogenannten Skids verschaltet – vormontierten Baugruppen, die neben den Membranmodulen auch Rahmenkonstruktion, Verrohrung, Instrumentierung und häufig die Anlagensteuerung umfassen und sich als Ganzes einfach in bestehende Anlagen integrieren lassen. So entstehen aus einzelnen Bauteilen vollständige Membransysteme, die je nach Anforderung mit mehreren Behandlungsstufen ausgelegt werden können, um gezielte Aufbereitungsziele zu erreichen.
Für die Leistungsfähigkeit solcher Systeme sind mehrere Betriebsfaktoren entscheidend: Der Betriebsdruck muss auf die jeweilige Anwendung abgestimmt sein, der Flux – die Permeatvolumenstrom pro Membranfläche – bestimmt hauptsächlich Durchsatz und Energieverbrauch. Fouling kann die Leistung erheblich mindern und den Energiebedarf steigern, wie unabhängige Forschungsergebnisse zu Fouling-Mechanismen bei Umkehrosmose-Membranen zeigen³. Als Fouling gilt hierbei vor allem die Ablagerung von Substanzen auf der Membranoberfläche, die je nach Ursache als partikuläres Fouling, biologisches Fouling (Biofilmbildung), organisches Fouling oder als Scaling durch anorganische Ablagerungen wie Kalzium- und Magnesiumsalze auftritt. Regelmäßige Reinigungszyklen sind daher unerlässlich, um Fouling-Folgen zu begrenzen und die Membranlebensdauer zu verlängern. Genau deshalb ist ein korrektes Design der Membrantechnik von Anfang an entscheidend: Es beeinflusst nicht nur die Anfangsleistung, sondern maßgeblich auch die Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership) über die gesamte Lebensdauer der Anlage.
Auswahlkriterien: UF oder RO?
Wo Partikel, Mikroorganismen oder Makromoleküle im Fokus stehen, reicht Ultrafiltrationstechnologie häufig aus. Müssen dagegen gelöste Salze oder niedermolekulare Kontaminanten entfernt werden, ist Umkehrosmosetechnologie oft die bevorzugte Lösung. In der Praxis schließen sich beide Membranverfahren nicht aus – sie ergänzen sich: Ultrafiltration übernimmt häufig die Vorbehandlung, während Umkehrosmose die weitergehende Reinigung übernimmt. Wasserqualität, Behandlungsziel, die angestrebte Recovery-Rate und betriebliche Rahmenbedingungen sind die zentralen Auswahlkriterien.
Die aktuelle und zukünftige Rolle der Membranfiltration
Membranfiltration rückt zunehmend in den Fokus einer nachhaltigeren Wasserwirtschaft. Die Europäische Kommission verfolgt mit der EU-Trinkwasserrichtlinie strengere Qualitätsstandards für die öffentliche Wasserversorgung⁴ und adressiert PFAS-Belastungen mit eigenen politischen Maßnahmen⁵. Der UNESCO-Weltwasserbericht unterstreicht zudem, wie entscheidend effiziente Aufbereitungs- und Wiederverwendungstechnologien für die globale Wassersicherheit sind⁶, während UN-Water auf die zunehmende weltweite Wasserknappheit hinweist⁷. Membrantechnologie trägt in diesem Kontext entscheidend zur Kreislaufwirtschaft bei: Sie ermöglicht Wasserwiederverwendung, Ressourcenrückgewinnung und die Einhaltung wachsender regulatorischer Anforderungen – und wird damit zu einem zentralen Werkzeug für die Wasser- und Prozessherausforderungen von heute und morgen.
MANN+HUMMEL Water & Membrane Solutions im Überblick
Ob Trinkwasseraufbereitung, industrielle Abwasserbehandlung oder Prozessfiltration – MANN+HUMMEL Water & Membrane Solutions bietet ein breites Portfolio an Membranlösungen für unterschiedlichste Trennaufgaben.
Unser UF-Portfolio nutzt Membranen mit Porengrößen von rund 0,02 bis 0,03 µm. Sie ermöglichen die zuverlässige Rückhaltung von Bakterien, Viren, Parasiten und weiteren Verunreinigungen. Ultrafiltration kommt branchenübergreifend zum Einsatz – von der kommunalen und industriellen Wasseraufbereitung bis zur Minimal Liquid Discharge (MLD) –, häufig als Vorbehandlungsschritt, der nachgeschaltete Umkehrosmose-Systeme schützt und die Gesamtbetriebskosten senkt. Für den Einsatz in der Trinkwasseraufbereitung sind Konformität mit NSF/ANSI 61 sowie den Anforderungen der EU-Trinkwasserrichtlinie (EU 2020/2184) zentrale Qualitätskriterien. Ein durchdachtes UF-Systemdesign reduziert zudem den Energie- und Chemikalienverbrauch und verlängert die Membranlebensdauer.
Unser RO-Portfolio entfernt Partikel bis zu einer Größe von 0,0001 Mikron und rejiziert im Labortest über 99 Prozent aller gelösten Salze, Partikel und organischen Verbindungen – die konkrete Rückhalteleistung im laufenden Betrieb variiert je nach Membrantyp und Feedwasserqualität. Fünf zentrale Anwendungsfelder stehen bei der Umkehrosmose im Fokus: die Wiederverwendung und Rückgewinnung von Abwasser, Meerwasserentsalzung für wasserarme Regionen, Schadstoffentfernung aus Süßwasserquellen (inklusive PFAS) sowie hochentmineralisiertes Wasser für Industrieanwendungen wie Pharma und die Halbleiterfertigung. Unsere RO-Membranserien Oltremare und MICRODYN stehen für hohe Rückhalteraten bei gleichzeitig niedrigem Energieverbrauch.
Laut aktuellen UN-Water-Daten wurden 2022 weltweit rund 42 Prozent des häuslichen Abwassers nicht sicher behandelt⁷ – ein zentraler Ansatzpunkt für die Ziele von SDG 6.3., dem UN-Nachhaltigkeitsziel zur Verbesserung der globalen Wasserqualität bis 2030. MANN+HUMMEL treibt mit innovativen Membrantechnologien die Wasserwiederverwendung aktiv voran. Die Lösungen ermöglichen eine effektive Entfernung von Mikroschadstoffen, unterstützen die Einhaltung strenger Regularien und tragen so dazu bei, wertvolle Wasserressourcen zu schonen und Wasserknappheit effektiv zu begegnen.
Von der Schwermetallentfernung über die chemische Rückgewinnung bis zur Behandlung ölhaltiger Abwässer – unser Portfolio deckt ein breites Spektrum industrieller Abwasserherausforderungen ab. Lösungen wie iSep 500+, SpiraSep 1060, PureULTRA II, AQUADYN und RO-Membranen ermöglichen Minimal Liquid Discharge (MLD) bis hin zu Zero Liquid Discharge (ZLD) und unterstützen Unternehmen dabei, Ressourcen zurückzugewinnen und gesetzliche Einleitgrenzwerte zuverlässig einzuhalten.
Wir bieten maßgeschneiderte Membranlösungen für zahlreiche Industrien zur Konzentration, Klärung und Demineralisierung wertvoller Prozessbestandteile – etwa Molkenprotein, Milchproteine oder Laktose in der Molkereiindustrie. Für Lebensmittel- und Getränkeanwendungen erfüllen die Produkte die FDA-Konformitätsanforderungen sowie die EU-Verordnung über Lebensmittelkontaktmaterialien; wo relevant, stehen zudem Halal- und Koscher-Zertifizierungen zur Verfügung. Die Produkte sind auf hohe Prozesssicherheit, Produktqualität und niedrige Gesamtbetriebskosten ausgelegt und werden lokal in den USA und der EU produziert.
Innovative Produkte für sauberes Wasser
Lernen Sie drei unserer Produkte genauer kennen und erfahren Sie, was wir mit innovativen, zukunftssicheren Lösungen für Sie tun können:
Diese Hohlfaser-UF-Module bestehen aus hydrophil modifizierter PVDF-Membran mit einer nominalen Porengröße von 0,025 Mikron und sind in drei Modulgrößen (60, 80 und 107 m² aktive Filterfläche) erhältlich. Sie arbeiten bei sehr niedrigem Druck und sind für intensive chemische Reinigungen ausgelegt. Das trägt zu einer längeren Lebensdauer der Module bei. PureULTRA II ist NSF/ANSI-61- und NSF/ANSI-419-zertifiziert und eignet sich besonders als RO-Vorbehandlung sowie für die Oberflächenwasseraufbereitung und Wasserwiederverwendung.
Die iSep-500+ Module nutzen ein vakuumgetriebenes, rückspülbares Wickelmembran-Design mit integriertem Tankkonzept, das speziell für stark foulingbelastete und ölhaltige Abwasserströme entwickelt wurde. Modulaufbau und Betrieb – einschließlich einer intensiven Luftspülung – tragen zu einer wirksamen Fouling-Kontrolle bei. Dadurch können Investitions- und Betriebskosten sinken, da auf aufwendige Vorbehandlungsschritte verzichtet werden kann.
TRISEP steht für vollständig anpassbare Membranlösungen, bei denen Elementgröße, Membrantyp (MF, UF, NF, RO) und weitere Parameter individuell konfiguriert werden können. Unsere sanitären TRISEP-Wickelelemente sind speziell für Molkerei-, Getränke-, Pharma- und Proteinanwendungen ausgelegt.
Wie leistungsfähig moderne TRISEP-Prozessfiltrationsmembranen in der Praxis sind, zeigt eine Validierungsstudie mit einer neu entwickelten TRISEP-Ultrafiltrationsmembran mit einem Molecular Weight Cut-off (MWCO) von 10 kDa, die speziell für die Molkenverarbeitung konzipiert wurde. In direkten Vergleichstests erzielte die Membran einen um 20 bis über 40 Prozent höheren Permeatfluss gegenüber marktüblichen Vergleichsmembranen – bei vergleichbaren Rückhalteeigenschaften für wertvolle Molkenproteine. Für Molkereibetriebe bedeutet das einen höheren Durchsatz bei gleichbleibender Produktqualität und damit eine spürbare Effizienzsteigerung im laufenden Betrieb.
Wir sorgen für sauberes Wasser und mehr Prozesssicherheit
Sie möchten mehr über die passenden Membranlösungen für die Entsalzung, industrielle Abwasserbehandlung oder Wasserwiederverwendung erfahren? Sie wünschen sich innovative Lösungen für die Lebensmittel- oder Pharmaproduktion? Wenden Sie sich direkt an unsere Experten, um die richtige Membrantechnologie für Ihre Anforderungen zu finden.
1 Global Water Intelligence, International Desalination and Reuse Association. IDRA Desalination & Reuse Handbook 2025–2026 [Internet]. Oxford: Global Water Intelligence; 2025 [zitiert 2026 Jul 2]: Global Water Intelligence | GWI
2 World Health Organization. Guidelines for Drinking-water Quality: Fourth Edition Incorporating the First and Second Addenda [Internet]. Geneva: WHO; [zitiert 2026 Jul 2]: Guidelines for drinking-water quality: fourth edition incorporating the first and second addenda
3 Dynamic Modeling of Fouling in Reverse Osmosis Membranes [Internet]. Bethesda: National Center for Biotechnology Information; 2021 [zitiert 2026 Jul 2]: Dynamic Modeling of Fouling in Reverse Osmosis Membranes - PMC
4 European Commission. Drinking Water Directive (EU 2020/2184) [Internet]. Brussels: European Commission; [zitiert 2026 Jul 2]: Drinking water - Environment - European Commission
5 European Commission. PFAS Pollution [Internet]. Brussels: European Commission; [zitiert 2026 Jul 2]: PFAS pollution - European Commission
6 UNESCO. World Water Development Report (WWDR) [Internet]. Paris: UNESCO; [zitiert 2026 Jul 2]: United Nations World Water Development Report | UN World Water Development Report
7 UN-Water. Progress on Wastewater Treatment – 2024 Update [Internet]. Geneva: UN-Water; 2024 [zitiert 2026 Jul 2]: Progress on Wastewater Treatment – 2024 Update | UN-Water
Membranfiltration: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Rund um das Thema Membranfiltration gibt es viele Fragen. Wir haben Antworten auf die wichtigsten:
Die Membranfiltration trennt Stoffe mithilfe einer selektiven Membranbarriere. Die Trennleistung hängt von den Eigenschaften der Membran ab. Sie bestimmen, welche Komponenten die Membran passieren und welche zurückgehalten werden.
Membrantrennung bezeichnet den Trennmechanismus, bei dem eine Membran bestimmte Stoffe selektiv zurückhält und andere passieren lässt. Entscheidend sind dabei Eigenschaften wie Größe, Ladung oder Löslichkeit.
Membrantechnologie fasst alle Verfahren zusammen, in denen Membranen für die Reinigung oder Aufbereitung von Wasser und Prozessflüssigkeiten genutzt werden. In der Wasseraufbereitung reicht ihr Einsatzspektrum von der Trinkwasserproduktion über industrielle und kommunale Kreisläufe bis zur Meerwasserentsalzung.
Die vier wichtigsten Membranverfahren unterscheiden sich in ihren Trenneigenschaften: Die Mikrofiltration hält grobe Partikel und Bakterien zurück. Die Ultrafiltration kann zusätzlich Viren und Makromoleküle zurückhalten. Die Nanofiltration trennt mehrwertige Ionen ab, während die Umkehrosmose auch einwertige Salze entfernt. In der Praxis werden verschiedene Membrantrennverfahren häufig kombiniert, um Anlagen optimal auf die jeweilige Trennaufgabe abzustimmen.
Die Umkehrosmose ermöglicht die selektive Abtrennung gelöster Salze und niedermolekularer Stoffe durch einen druckgetriebenen Membranprozess – ohne Phasenwechsel des Wassers. Insbesondere als Membranverfahren für die Entsalzung oder die Aufbereitung von hochreinem Prozesswasser erreicht die Umkehrosmose die erforderliche Reinheit.
Der RO-Prozess funktioniert wie folgt: Ein künstlich erzeugter Druck wirkt dem natürlichen osmotischen Gefälle entgegen und kehrt so die übliche Fließrichtung des Wassers um. Anstatt in Richtung der stärker konzentrierten Lösung zu fließen, passiert nahezu reines Wasser die Membran. Gelöste Salze und Verunreinigungen werden dagegen auf der Zulaufseite zurückgehalten.
Eine RO-Membran kommt überall dort zum Tragen, wo hochreines Wasser oder eine wirksame Entsalzung gefragt ist – etwa bei der Aufbereitung von Meerwasser, in Kesselspeisewassersystemen sowie in industriellen Anlagen zur Prozesswasserbehandlung und Wasserwiederverwendung. Die Funktionsweise der RO-Membran beruht auf der druckgetriebenen Abtrennung gelöster Salze und weiterer gelöster Stoffe.
Eine UF-Membran wird sowohl in der kommunalen Trinkwasseraufbereitung als auch als Vorbehandlung eingesetzt, die nachgeschaltete RO-Systeme vor Fouling schützt. Zusätzlich kommt Ultrafiltration in der industriellen Prozessfiltration zum Einsatz, etwa zur selektiven Konzentration wertvoller Bestandteile in der Molkereiindustrie.